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Europa glänzt durch Kultur

„You will not fall in love with the internal market.“ EU-Kommissionspräsident Barroso hat es auf den Punkt gebracht: Den europäischen Binnenmarkt zu lieben, ist wirklich zu viel verlangt. Identifikation mit der Europäischen Union braucht mehr, etwas anderes, als den Binnenmarkt – der zweifellos wichtig und notwendig ist. Identifikation braucht Begeisterung für eine Sache, Identifikation braucht geteilte Erfahrungen und Werte und die Auseinandersetzung darüber, Identifikation braucht Gefühle. Das Europäische Parlament will die Bürgerinnen und Bürger für Europa gewinnen und begeistern.

Europa ist geprägt von gemeinsamen Erfahrungen wie Krieg und Vernichtung, aber auch vom Willen zum Frieden. Die Vielfalt der Kulturen, der Austausch zwischen ihnen und durchaus auch der Konflikt untereinander und die Wirkungsmächtigkeit der drei Weltreligionen – Christentum, Judentum und Islam – prägen Europa auf besondere Weise und sind typisch für Europa. Daraus entspringt eine gemeinsame europäische Erzählung: Europa hat viele Seelen. Wir verstehen das als Chance und Bereicherung, nicht als Hindernis. Deshalb bestehen die übergeordneten Ziele des von der EU aufgelegten Programms KULTUR 2007-2013 darin, Kunst und Kultur, sowie KünstlerInnen und Kulturschaffende mobiler zu machen und den interkulturellen Dialog innerhalb der EU zu fördern.
So können wir die Seelen Europas auffinden, beispielsweise in europäischen Filmen, in der Literatur und in der Politik und möglichst vielen Menschen in Europa zugänglich machen, etwa durch die Übersetzung oder Untertitelung in 23 europäische Sprachen. Darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der europäischen Kulturpolitik: Sie fördert das Sich-Kennenlernen unter den vielen Völkern der Europäischen Union. Es ist nur folgerichtig, dass an die Vergabe von EU-Fördermitteln im Kulturbereich die Bedingung des „europäischen Mehrwerts“ geknüpft ist. Denn die EU will nicht einfach da einspringen, wo nationale oder kommunale Mittel zu knapp werden. Die EU will etwas Neues, ein europäisches Mehr schaffen, weil sie selbst auch Mehr als 27 Einzelstaaten ist.
Was so ein „europäisches Mehr“ auch sein kann, lässt sich an der Erfolgsgeschichte des Programms „Erasmus“ ablesen. Über dieses Austauschprogramm für Studierende fördert die EU ebenfalls das Sich-Kennenlernen, Sich-Verstehen, den Austausch junger Menschen. Es entstehen viele persönliche Kontakte, ein nicht zu überschätzender Faktor für ein gelingendes Miteinander im Friedensprojekt EU.

Video Helga Trüpel