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China entzweit die Demokraten

Nach dem Eklat im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse stellt sich wieder einmal, wie schon bei der Vergabe der Olympiade an China und bei der Frage der Teilnahme an ihrer Eröffnungsfeier nach den Vorfällen in Tibet, die Frage, wie Demokratien mit dem Wirtschaftsriesen China und seiner kommunistischen, diktatorischen Regierung umgehen sollen. Der Kommentar von Martin Roth im Feuilleton der Welt am 28.9.09: “China und die Oberlehrer aus Deutschland” hat sich auf die Seite der kulturellen Differenz der Chinesen gestellt und den Organisatoren der Buchmesse und anderen Kritikern der mangelnden Pressefreiheit in China vorgeworfen, sie würden China-Bashing betreiben, die chinesische Hochkultur nicht wertschätzen und die Bedeutung von Kontakten und Austausch mit Chinesen nicht verstehen.
Aber all das ist nicht der Konflikt. Es ist richtig, einen Menschenrechtsdialog mit China zu betreiben, auch kulturellen Austausch zu betreiben. Aber der Konflikt entzündet sich nicht an der Frage, dass China eine 5ooo jährige Hochkultur ist und seit 30 Jahren eine extrem wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik betreibt, sondern an der Frage, dass es immer noch ein kommunistisches Regime ist, dass Kritiker mundtot machen will, unter Hausarrest stellt und Menschenrechte missachtet.
Auf die Innenpolitik in China selber können wir keinen Einfluss nehmen, außer Kritik deutlich zu formulieren. Man darf sich auf das Verlangen der KP, keine Kritik an Zensur zu aüßern, nicht einlassen. Und man darf die Verletzung von Menschenrechten nicht als kulturelle Differenz behandeln. Genau das wollen die KP Vertreter aber. Chinas Vizepräsident Xi Jinping hat gestern bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse gesagt, er erwarte beim Kulturaustausch “Verständnis und Respekt”. Unterschiedliche politische Systeme dürften nicht Konfrontationen rechtfertigen, Aber genau das ist der Streitpunkt: Menschenrechtsverletzungen, der Mangel an Pressefreiheit und Zensur sind der Grund für Kritik und Auseinandersetzung wie mit anderen autoritären Regimen auch oder wie im Fall Guantanamo an den USA. Menschenrechte sind unteilbar.
Darum darf man sich bei der Buchmesse in Frankfurt, deren eines großes Ziel die öffentliche Debatte ist, von den chinesischen KPlern nicht vorschreiben lassen, wer eingeladen oder ausgeladen wird. Wir müssen die Chinesen doch an ihren eigenen Versprechen messen, “mutual undertstanding” und Dialog zu wollen. Deswegen müssen sich auch chinesische Regierungsvertreter genauso wie westliche kritische Standpunkte anhören. Wenn der neue Botschafter Chinas in Deutschland argumentiert (Welt Kompakt vom 30.September ) Chinesen wollten nicht gezwungen werden, sich Dinge anzuhören, die ihnen nicht gefallen, muss man ihnen entgegentreten und klarmachen, dass gerade das Dialog ist, sich mit sehr gegenteiligen Meinungen auseinanderzusetzen. Bisher ist Dialog für die Chinesen oft nur die Darstellung ihrer politischen Grundhaltung und das Ausschauhalten nach denjenigen, die sie als Freunde darin unterstützen. Das ist aber kein Dialog auf Augenhöhe, sondern eine Unterwerfung unter chinesische Deutungshoheit. Wenn jemand Dialog auf Augenhöhe will, muss klar sein, dass unterschiedliche Positionen in den Fragen des Rechtsstaats, der Menschenrechte und der Presse- und Meinungsfreiheit und der Minderheitenrechte dazugehören.

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