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Richard C. Schneider zu Gast in Bremen (Bericht zur Veranstaltung am 15.4.2018)

In meiner Reihe „Europäische Gespräche“ durfte ich gestern den Journalisten und Dokumentarfilmer Richard C. Schneider begrüßen! Zunächst berichtete er von seiner heiklen Anreise, die während der US-geführten Luftangriffe auf Syrien vergangenen Samstag stattfand. Dass sein Flug dennoch wie geplant abhob, war nicht nur für mich, sondern auch für die rund 130 Zuhörer im Foyer des Theater Bremen ein großes Glück:

Schneider brachte aufschlussreiche Analysen über eine zutiefst beunruhigte israelische Gesellschaft mit. Einerseits steht Israel seit dem Arabischen Frühling vor der Herausforderung, sich nicht in die kriegerischen Auseinandersetzungen der arabischen Länder hineinzuziehen zu lassen. Andererseits hat der Iran die Zeit des syrischen Bürgerkriegs genutzt, um die Hizbollah im Südlibanon massiv aufzurüsten. Leider, so Schneiders pessimistischer Ausblick, sei ein grausamer Krieg zwischen Israel und der Hizbollah nur noch eine Frage der Zeit.

Schneiders nüchterne Erörterungen zur ungelösten und auf absehbare Zeit unlösbar bleibenden Palästinenser-Frage sorgte bei allen Anwesenden für ernsthafte Stimmung wie auch unsere Diskussion zum wiedererstarkenden Antisemitismus in vielen Ländern Europas: Sei es Orbáns antisemitische Kampagne gegen George Soros, die Ausreise tausender Juden aus Frankreich wegen antisemitischer Übergriffe oder die sich schleichend wandelnde Stimmung gegenüber Juden in Deutschland – sodass die aktuelle Verleihung des Musikpreises „Echo“ an antisemitische Künstler gleichsam unwidersprochen bleibt!

Ich teile viele von Richard C. Schneiders Einschätzungen und bin für sein Kommen und seine klaren Worte sehr dankbar! Sein erst kürzlich erschienenes Buch „Alltag im Ausnahmezustand“ kann ich allen nur empfehlen, die einen Einblick in die hochkomplexe politische Situation in Israel bekommen möchten.

Antisemitismus – komme er politisch von links oder rechts oder sei er religiöser Natur – darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben! Ihm entgegenzutreten sollte damit anfangen, sich ernsthaft mit der Lage derjenigen auseinanderzusetzen, die ihn erleiden müssen. Richard C. Schneiders beeindruckende Arbeit ist ein wichtiger Beitrag dazu!